Noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts könnte die wilde Arabica-Bohne ausgestorben sein. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Botanischen Gärten in Londons Stadtteil Kew. Das britische Forscherteam veröffentlichte im Fachjournal „Plos One“ das Ergebnis einer Klimasimulation, die die Bedrohung der afrikanischen Arabica-Pflanze durch den Klimawandel verdeutlicht. Bei unverändert fortschreitendem Klimawandel und einem Temperaturanstieg von 6,4 Grad Celsius, so das Fazit, würden 99,7 Prozent der für die Pflanze geeigneten Anbaugebiete bis 2080 wegfallen. Im Fall einer gemäßigten Erwärmung um 3,8 Grad Celsius, handele es sich um 65 Prozent Verlust – immer noch weit über die Hälfte des derzeitigen Ertrags. Zudem verweisen die Forscher auf ihre zurückhaltende Berechnung, bei der von unbeeinträchtigten Wäldern ausgegangen wird. Tatsächlich aber sind bereits viele Gebiete abgeholzt und somit auch die Wachstumsbedingungen für Kaffee jetzt schon eingeschränkt. Im Südsudan beispielsweise, seien die Anbauregionen bereits jetzt dramatisch zurückgegangen. Hier soll es schon 2020 keinen wilden Arabica-Kaffee mehr geben.
Coffea arabica stammt ursprünglich aus dem äthiopischen Hochland und benötigt ein feucht-warmes Klima, sowie ideale Luft- und Lichtverhältnisse, um wachsen zu können. Die Veränderung dieser für die Pflanze überlebenswichtigen Parameter führt zum allmählichen Aussterben der Sorte. Die durch den Klimawandel hervorgerufene zunehmende Wärme und Trockenheit der Hauptanbaugebiete verkleinert die möglichen Wachstumsregionen stetig. Zudem dient die wilde Arabica-Pflanze als eine Art „genetisches Reservoir“ auch der Erhaltung und Zucht neuer Sorten. Die heute gängigen Kaffeesorten seien anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, berichten die britischen Wissenschaftler, und so benötige man die wilde Kaffeepflanze allein schon, um ihre widerstandsfähigeren Eigenschaften nutzen zu können.
Neben den gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt hat die Bedrohung des Arabica jedoch auch spürbare Folgen für den Verbraucher: Kaffee könnte wesentlich teurer werden. Das beliebteste Getränk und die, wie die Forscher der Royal Botanic Gardens in Kew berichten, nach Öl zweitgrößte internationale Handelsware, könnte sich allmählich vom selbstverständlich konsumierten Alltagsgut zur schwer verfügbaren Kostbarkeit entwickeln.

